Der merkantile Minderwert

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Zitat

Halbgewachs, E.; Zeisberger, H.; Neugebauer-Püster, M.: Der merkantile Minderwert. 13. Auflage (2003), 64 Seiten, erschienen im Kirschbaum Verlag GmbH, ISBN 3-7812-1581-4

Inhaltsangabe

Die Methode legt nach der Definition die obere Grenze der merkantilen Wertminderung fest. Die hierbei berücksichtigten Faktoren sind:

  • Neupreis (UPE = unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers)
  • Alter des Fahrzeuges
  • Gesamtreparaturkosten (Korrigiert auf Basis des mittleren ortsüblichen Stundenverrechnungssatzes)
  • Lohn- und Ersatzteilkosten der Schadenkalkulation oder Reparaturrechnung

sowie verschiedene Faktoren, da besonders mit der Version/Ausgabe 13 jetzt mehr auf die Individualität des Fahrzeugs und dessen Reparatur eingegangen wird. Daneben werden auch Vorschäden und Halterwechsel berücksichtigt und eine Prüfung auf Bagatellschäden einbezogen.

Der merkantile Mindertwert \(W_m\) berechnet aus der Summe von Veräußerungswert (Wiederbeschaffungswert) \(V_w\) und Reparaturkosten \(R_k\) und einem Faktor \(x\) gemäß\[ W_m = x \cdot (V_w + R_k) \]

In Originaldarstellung der Methode wird der Faktor 100 (Umrechnung in Prozent) in sämtlichen Formeln mitgeführt, wohingegen in der vorliegenden Darstellung sämtliche Faktoren dimensionslose Verhältnisse (Bruchteile von 1) sind, wie etwa auch in der Tabellenkalkulation Excel üblich. Der Faktor \(x\) ist die Summe dreier Faktoren:

  • \(x_m = f_1(m)\): Alterseinfluss (\(m\) steht für "Monate")
  • \(x_k = f_2(k)\): Einfluss des Kostenverhältnisses \(k\)
  • \(x_a = f_3(a)\): Einfluss des Aufwandsverhältnisses \(a\)\[ x = x_m + x_k + x_a \]

Das Kostenverhältnis ist das prozentuales Verhältnis zwischen Reparaturkosten \(R_k\) und Wiederbeschaffungswert \(V_w\) (Veräußerungswert)\[ k = \frac {R_k}{V_w} \]

Das Aufwandsverhältnis ist das prozentuale Verhältnis von Lohnkosten \(L_k\) zu Materialkosten \(M_k\)\[ a = \frac {L_k}{M_k} \] Es soll die Wahrscheinlichkeit verborgener Mängel erfassen: Ist der Anteil der Lohnkosten gering, so wurden hauptsächlich Schraubteile ausgetauscht, ist er hoch, so waren umfangreiche Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Aus dieser Erläuterung ergibt sich, dass die Lohnkosten lediglich die Arbeitspositionen umfassen, nicht die Lackierpositionen. (Dies wird im Heftchen nicht explizit gesagt.) Der Stundenlohn ist dabei auf den ortsüblichen Stundenlohn umzurechnen. (Ansonsten würde die Reparatur in der teuren markengebundenen Werkstatt ja einen höheren merkantilen Minderwert zur Folge haben als diejenige in einer freien Werkstatt.)

Sämtliche Werte sind – bis auf den Veräußerungswert – als Nettobeträge einzusetzen.

Approximation der Funktionen

Die Funktionen \(f_1(m)\), \(f_2(k)\) und \(f_2(a)\) sind im Heftchen nur grafisch dargestellt. Sie lassen sich durch folgende Funktionen approximieren\[ x_m = -1,831 \cdot 10^{-7} \,m^3 + 1,954\cdot 10^{-5}\, m^2 - 1,051 \cdot 10^{-3} \,m + 0,03175\\ x_k= -7,7828\cdot 10^{-7}\, k^2 + 2,0810 \cdot 10^{-4} \, k - 1,0722 \cdot 10^{-3}\\ x_a = 0,015354\, \ln(a) - 0,055549 \]

Sonstiges

Die 13. Auflage geht auf die juristischen Hintergründe – analysiert von Frau Rechtsanwältin Dr. Neugebauer-Püster – der Wertminderung ein und beleuchtet weitere Methoden der Ermittlung der merkantilen Wertminderung. Darunter die Modelle nach

Ein kurzer Abriss erläutert die Wertminderung im europäischen Vergleich. Die Beschreibung wird jeweils ergänzt um konkrete Auszüge aus Urteilen von AG's bis zum BGH.

Dipl.-Ing. Zeisberger geht anschließend auf die konkrete Ermittlung der Wertminderung an Pkw, Motorrädern und Nutzfahrzeugen ein, die letzteren werden wegen der hohen Individualität zwar beschrieben, jedoch nicht in eine Methode eingebunden, sodass es dem Sachverständigen weiterhin alleine überlassen bleibt, ohne Berechnung das richtige Maß der Wertminderung zu finden.

Neu in der Auflage sind die individuellen Faktoren beim Pkw, Motorrad und die generelle Ansicht, dass nach lackschadenfreier Instandsetzung, wie bspw. dem »Hageldrücken«, keine merkantile Wertminderung verbleibt.

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